Steinkauzprojekt der Österreichischen Vogelwarte
Steinkauzprojekt der Österreichischen Vogelwarte
Der Steinkauz (Athene noctua) zählt zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten Österreichs. Einst war die kleine Eule ein typischer Bewohner der traditionellen Kulturlandschaft und nutzte besonders Streuobstwiesen sowie Viehweiden als Lebensraum. Heute ist sie jedoch selten geworden und steht auf der Roten Liste der Brutvögel Österreichs. Hauptursachen für diesen drastischen Rückgang ist vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit einhergehende Verlust geeigneter Brutplätze wie alte, hohle Bäume oder Nischen in Gebäuden.
Ein heutzutage besonders wichtiger Lebensraum für den Steinkauz sind begrünte Weingärten. Diese stellen ein sekundäres Habitat dar, das durch niedrige Vegetation und eine vergleichsweise hohe Nahrungsverfügbarkeit gekennzeichnet ist. Das regelmäßige Kurzhalten der Vegetation bietet dem Steinkauz gute Jagdbedingungen und der geringe Einsatz von Insektiziden fördert das Vorkommen von Beutetieren wie Insekten, Regenwürmern sowie Kleinsäugern. Ein zentrales Problem stellt jedoch der Mangel an geeigneten Brutplätzen dar. Der Zerfall alter Weingartenhütten, das Entfernen alter Bäume sowie die Renovierung von Gebäuden in Kellergassen haben dazu geführt, dass natürliche Nistmöglichkeiten zunehmend verschwinden.
Aus diesem Grund betreibt die Österreichische Vogelwarte mit ihrer Außenstelle in Seebarn am Wagram ein Schutzprojekt zur Förderung des Steinkauzes in der Region. Dabei liegt der Schwerpunkt im Aufstellen von eigens konzipierten freistehenden Nistkästen, um so Brutmöglichkeiten für den Steinkauz zu schaffen. Das Projektgebiet erstreckt sich dabei von Mautern und Furth über den Kremser Raum sowie den Wagram bis in das Traisental. Ziel ist es, die gesamte Weingartenlandschaft als Lebensraum für den Steinkauz nutzbar zu machen.
Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Grundbesitzer:innen und Winzer:innen. Diese Kooperation ist entscheidend, da die Maßnahmen direkt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen stattfinden. Begleitend dazu werden Informations- und Aufklärungsmaßnahmen durchgeführt, um das Bewusstsein für die Biodiversität im Weingarten zu stärken.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist das kontinuierliche Monitoring der Steinkauzpopulation. Dabei werden die Nistkästen regelmäßig kontrolliert, gewartet und für die nächste Brutsaison vorbereitet. Zusätzlich kommen moderne Methoden wie akustisches Monitoring zum Einsatz, um die Population effizient zu erfassen und Bestandsentwicklungen zu dokumentieren.
Langfristiges Ziel des Projekts ist es, die Population in der Region nachhaltig zu stärken und gleichzeitig einen Korridor zwischen bestehenden Vorkommen in Niederösterreich zu schaffen. Dadurch soll ein genetischer Austausch ermöglicht und das Überleben der Art in Niederösterreich langfristig gesichert werden.
Autor: Robin Kirchmair-Mewes, Österreichische Vogelwarte (AOC)
