40 Jahre nach Tschornobyl: NÖ Zivilschutzverband betont Bedeutung der Eigenvorsorge
Am 26.4.2026 jährt sich die Nuklearkatastrophe von Tschornobyl zum 40. Mal. Das Reaktorunglück im Kernkraftwerk Tschornobyl hat weltweit Spuren hinterlassen – auch im österreichischen Zivilschutz.
„Der Zugang zum Zivilschutz hat sich seit damals stark verändert“, betont der Niederösterreichische Zivilschutzverband. Während in den 1980er-Jahren – geprägt vom Kalten Krieg – vor allem der Bau von Schutzräumen im Mittelpunkt stand, setzt der moderne Zivilschutz heute verstärkt auf Information, Eigenverantwortung und praktische Vorsorgemaßnahmen für die Bevölkerung.
Ergänzend dazu bietet der Niederösterreichische Zivilschutzverband regelmäßig Kurse und Schulungen zu den Themen Selbstschutz, Eigenvorsorge sowie Strahlenschutz an, um die Bevölkerung bestmöglich auf unterschiedliche Krisenszenarien vorzubereiten.
Gefahr gering – aber nicht ausgeschlossen
Auch wenn das Risiko eines schweren Nuklearunfalls in Europa heute als gering eingeschätzt wird, ist es nicht völlig gebannt. In mehreren europäischen Ländern sind weiterhin Atomkraftwerke in Betrieb. „Ereignisse wie Tschornobyl zeigen, dass man sich nicht ausschließlich auf Wahrscheinlichkeiten verlassen darf“, so der NÖZSV.
Eigenvorsorge als Schlüssel zur Sicherheit
Der Niederösterreichischer Zivilschutzverband ruft die Bevölkerung dazu auf, sich aktiv mit dem Thema Krisenvorsorge auseinanderzusetzen. Ziel ist es, im Ernstfall zumindest mehrere Tage autark handeln zu können.
Empfohlen werden unter anderem:
• Lebensmittel- und Trinkwasservorrat für rund 10 Tage
• Hausapotheke und wichtige Medikamente
• Batteriebetriebenes Radio zur Informationsbeschaffung
• Ersatzbeleuchtung (z. B. Taschenlampen)
• Dokumentenmappe mit wichtigen Unterlagen griffbereit
• Notfallplan innerhalb der Familie, inklusive Treffpunkten und Kontaktmöglichkeiten
Gerade bei möglichen radioaktiven Belastungen kann es entscheidend sein, vorübergehend in geschlossenen Räumen zu bleiben und offizielle Informationen abzuwarten.
Zivilschutz beginnt im eigenen Zuhause
„Krisenvorsorge beginnt nicht erst im Ernstfall, sondern im Alltag. Wer vorbereitet ist, schützt sich selbst, seine Familie und entlastet gleichzeitig die Einsatzkräfte“, betont NÖZSV-Präsident LAbg. Bgm. Christoph Kainz. „Tschornobyl hat uns gezeigt, wie rasch sich Situationen verändern können. Heute haben wir die Möglichkeit, aus diesen Erfahrungen zu lernen und uns bestmöglich vorzubereiten.“
Ausbildung für Probenehmer:innen im Ernstfall
Ein oft wenig bekannter, aber wesentlicher Bestandteil des Zivilschutzes ist die Probenahme bei radiologischen Notfällen. Bei großräumigen Ereignissen – etwa einem Kernkraftwerksunfall wie bei der Nuklearkatastrophe von Tschornobyl – werden in ganz Niederösterreich Proben von Boden, Wasser, Luft sowie Futter- und Lebensmitteln genommen, um eine mögliche radioaktive Kontamination festzustellen. Der Niederösterreichische Zivilschutzverband übernimmt dabei mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Probenahme von Bewuchs, Boden und Schnee.
Um diese wichtige Aufgabe professionell durchführen zu können, bietet der NÖZSV in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachabteilungen Umwelttechnik sowie Feuerwehr und Zivilschutz eine zweitägige Ausbildung für Probenehmer:innen an. Voraussetzung für die Teilnahme sind körperliche Mobilität sowie ein Führerschein der Klasse B. Damit leistet der NÖZSV einen wichtigen Beitrag zur raschen Lagebeurteilung und zum Schutz der Bevölkerung im Ernstfall.
40 Jahre nach Tschornobyl bleibt damit eine zentrale Botschaft aktueller denn je:
Wer vorbereitet ist, kann im Ernstfall ruhig und richtig handeln.
Anmerkung: Tschernobyl ist die im Deutschen übliche Form (vom russischen Чернобыль), während Tschornobyl (vom ukrainischen Чорнобиль) der korrekten ukrainischen Aussprache entspricht.

